Homöopathie
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Die
Homöopathie [ˌhomøopaˈtiː] (griech.
ὁμοιοπαθής „Gleiches
leidend“, von ὁμοῖος, homoios „gleich,
gleichartig, ähnlich“ und πάθειν, pathein
„leiden“) ist eine kontrovers diskutierte alternative Heilmethode, deren
Prinzipien um 1800 formuliert wurden. Homöopathen
behandeln ihre Patienten nach dem vom Begründer der Homöopathie, Samuel
Hahnemann, aufgestellten Grundsatz: „Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt“.
Zu diesem Zweck werden Substanzen, von denen bekannt ist oder angenommen wird,
sie könnten bei gesunden Menschen der Krankheit ähnelnde Symptome hervorrufen,
in starker Verdünnung verabreicht. Das Verfahren zur Verdünnung wird von
Homöopathen „Potenzieren“ genannt, weil sie glauben, dass die Wirkung der
verdünnten Substanz durch dieses Verfahren nicht abgeschwächt, sondern
verstärkt wird. In mehreren den heutigen wissenschaftlichen Anforderungen
genügenden Studien wurde keine über den Placebo-Effekt hinausgehende
Wirksamkeit der untersuchten homöopatischen Lösungen beobachtet. Aus
wissenschaftlicher Sicht ist die Wirksamkeit der Homöopathie deshalb widerlegt. Grundsätze Lebenskraft Seit dem
Altertum wurde im von Aristoteles begründeten Vitalismus davon ausgegangen,
dass lebenden Wesen eine so genannte Lebenskraft innewohne. Diese Lebenskraft,
aufgeteilt in Entelechie und Dynamis, belebt nach Aristoteles den materiellen
Körper (Organismus) und lässt ihn empfinden und tätig sein. Samuel Hahnemann
übernahm die Vorstellung einer nicht-materiellen Lebenskraft und machte sie zu
einem Grundbegriff seiner homöopathischen Krankheitslehre. „Der
materielle Organism, ohne Lebenskraft gedacht, ist keiner Empfindung, keiner
Thätigkeit, keiner Selbsterhaltung fähig; nur das immaterielle, den materiellen
Organism im gesunden und kranken Zustande belebende Wesen (das Lebensprincip,
die Lebenskraft) verleiht ihm alle Empfindung und bewirkt seine
Lebensverrichtungen.“ (Hahnemann, Organon § 10) Krankheit,
die nicht der Chirurgie anheimfalle, sei die Verstimmung dieser „geistartigen
Kraft“ (Hahnemann) und damit eine Befindensänderung des Gesunden. „Das Leiden
der krankhaft verstimmten, geistartigen, unsern Körper belebenden Dynamis
(Lebenskraft) im unsichtbaren Innern und der Inbegriff der von ihr im Organism
veranstalteten, äußerlich wahrnehmbaren, das vorhandene Uebel darstellenden
Symptome, bilden nämlich ein Ganzes, sind Eins und Dasselbe.“ (Hahnemann,
Organon § 15) Krankheit
äußere sich somit in einer Gesamtheit von Krankheitszeichen und Symptomen und
sei mit einer Verstimmung der Lebenskraft gleichzusetzen. Die Heilung, so
Hahnemann, geschehe einzig durch die Umstimmung der Lebenskraft und
„Befindensveränderung des Kranken in den gesunden Zustand“ (Organon, § 19).
Deren Wirkung sei die Aufhebung der Gesamtheit der Symptome. Diese Umstimmung
der Lebenskraft sei durch kleine, geschüttelte oder verriebene („dynamisierte“)
Gaben von Substanzen zu erreichen. Der Begriff
der Lebenskraft macht einen wesentlichen Unterschied der Homöopathie zur
wissenschaftlichen Medizin aus, indem die Grundlage für Krankheit und Heilung
nicht in den Körperfunktionen des Organismus, sondern in einer den
individuellen Menschen belebenden „nicht-materiellen“ Kraft gesehen wird. Dass
Krankheiten materielle Ursachen haben könnten, stritt Hahnemann stets vehement
ab, so dass beispielsweise Bakterien und andere Mikroorganismen als
Krankheitsursache nicht in Betracht gezogen werden. Die
seinerzeit weit verbreitete Vorstellung einer Lebenskraft, die u.a. auch
Christoph Wilhelm Hufeland (Leibarzt des preußischen Königs) vertrat, stellte
sich gegen eine medizingeschichtliche Entwicklung, in der zunehmend reale,
beobachtbare Phänomene ausschlaggebend für die Beschreibung des Lebens wurden.
So begannen weite Teile der Medizin schon vor Hahnemanns Zeiten seit der
Entdeckung des Blutkreislaufs sich allmählich von der Idee einer von der
materiellen Welt getrennten Lebenskraft zu verabschieden. Ein weiterer,
wichtiger Grund für diesen Paradigmenwechsel war die Verfügbarkeit des
Mikroskops, mit dem viele grundlegende Entdeckungen der Medizin gemacht werden
konnten. Es entwickelten sich u.a. die mikroskopische Anatomie und
Zellbiologie, sodass für viele Vorgänge im menschlichen Körper Erklärungen
gefunden wurden, welche die Annahme einer separaten Lebenskraft überflüssig
machten; die Naturwissenschaften im allgemeinen und die Medizin im besonderen
kamen ohne sie aus. Bakterien waren trotzdem als Krankheitserreger noch lange
Zeit weitgehend unbekannt (siehe Henle-Koch-Postulate). Einige
Homöopathen arbeiten aber auch heute noch mit dem auf der Lebenskraft
basierenden Krankheitskonzept. Aus ihrer Sicht ist dieser Begriff dazu
geeignet, das individuelle Krankheitsbild ohne Berücksichtigung der materiellen
Krankheitsursachen zu erkennen und zu heilen. Der Begriff dient hier dazu, die
Gesamtheit der beobachteten Symptome zugleich als eine Veränderung der den
Menschen belebenden Kraft wahrzunehmen und das Ziel der Heilung als die
Wiederherstellung dieser Kraft festzulegen. Andere
Homöopathen des zwanzigsten Jahrhunderts, im deutschen Sprachraum etwa Otto
Leeser, Julius Mezger und Mathias Dorcsi, reformulierten die Homöopathie als
eine Regulationstherapie und das „Lebensprincip“ (durch diesen Ausdruck
ersetzte Hahnemann in späteren Auflagen des Organon den Begriff der
"Lebenskraft") als die Fähigkeit des Organismus zur Selbstregulation
bzw. Homöostase (Immunabwehr, Temperaturregulation, Schmerzempfindung u. dgl.).
Durchaus an Hahnemanns Überlegungen anschließend geht etwa Dorcsi davon aus,
dass Krankheit wesentlich eine gestörte Fähigkeit des Organismus zur
Selbstregulation darstelle, die unter Umständen durch einen minimalen Reiz,
eben das homöopathische Heilmittel, korrigiert werden könne. Daraus folgt, dass
nicht alle Krankheitserscheinungen mit Aussicht auf Erfolg homöopathisch
behandelt werden können, sondern nur diejenigen, bei denen eine solche
Regulationsstörung zentral ist. Ähnlichkeitsprinzip (Simile-Prinzip) Gemäß
Hahnemanns Organon sind sowohl Krankheiten als auch deren Behandlungen als
„Verstimmungen“ oder "Affectionen" der Lebenskraft zu verstehen. Eine
solche Verstimmung kann nur durch eine andere, der Art nach von ihr
abweichende, aber in ihrer Äußerung sehr ähnliche „Affection“ dauerhaft
ausgelöscht werden (§ 26). Daher sei ein Krankheitszustand durch eine Arznei zu
heilen, die bei Gesunden diesem Zustand ähnliche Symptome hervorruft: similia
similibus curentur („Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt“). "Der Art
nach abweichend" bedeutet hier, dass Arzneien nicht Krankheit erzeugen,
sondern eine "künstliche", kurzfristige Affektion
("Kunstkrankheit"). Die Homöopathie versucht bei der Diagnose das
gesamte individuelle Symptomenbild des Patienten zu berücksichtigen, da dieses
in seiner Totalität als Ausdruck der Verstimmung der Lebenskraft gilt. Zu den
Symptomen zählen dabei im Wesentlichen alle Abweichungen vom früheren gesunden
Zustand des Kranken, die durch Patientenbericht, Befragung und Beobachtung
zugänglich sind, samt ihren "Modalitäten" (Besserung und
Verschlimmerung). Auch und gerade entlegene Symptome, die scheinbar mit der
Hauptbeschwerde nichts zu tun haben, werden erhoben und für die
Arzneiverordnung genutzt. In jedem Fall wird besonderer Wert auf die Art der
Verstimmung des Befindens gelegt, zum Beispiel mit dem Infekt einhergehende
Nervosität, Schwäche, Schlaflosigkeit oder Traurigkeit. Voraussetzung
für die Anwendung des Ähnlichkeitsprinzips ist zum einen die Kenntnis der
homöopathischen Arzneimittel (Arzneimittelprüfung) und zum anderen die exakte
Erfassung des Symptombildes des Patienten (Anamnese, siehe: Wahl des Mittels). Arzneimittelprüfung Eine
homöopathische Behandlung beruht auf der Kenntnis der Symptome, die eine Arznei
bei einem gesunden Menschen auslösen kann. Deshalb werden in der Homöopathie
Arzneimittelprüfungen nur mit gesunden Menschen durchgeführt. Weil die meisten
Substanzen, die geprüft werden sollen, giftig sind, werden für die Prüfung fast
ausschließlich potenzierte Substanzen verwendet (meist C30). Während der
Prüfung werden die am gesunden Menschen festgestellten Veränderungen (Symptome)
festgehalten. Das Ergebnis dieser Prüfungen wird in Arzneimittellehren
(Materiae medicae) zusammengestellt. Für die Auswahl des passenden
Arzneimittels erleichtern nach Symptomen geordnete Repertorien die Auswahl. Arzneimittelprüfungen
werden bis heute durchgeführt. Inzwischen wurden über 2000 Substanzen geprüft.
Oft werden Arzneimittelprüfungen jedoch nicht als Doppelblindstudie
durchgeführt, was die Anwendung dieser Prüfungen in Frage stellt (siehe auch:
Kritik: Kein belastbarer Nachweis der Wirksamkeit). Homöopathische
Arzneimittelprüfungen sind nicht mit Arzneimittelprüfungen nach dem
Arzneimittelgesetz (AMG) zu vergleichen. Bei homöopathischen Arzneimittelprüfungen
wird nicht eine erwartete Wirksamkeit überprüft, sondern beobachtet, ob und
welche Symptome durch ein homöopathisches Arzneimittel hervorgerufen werden
können. Potenzierung Der nächste
wichtige Grundsatz der Homöopathie ist die Verwendung „potenzierter“
Arzneimittel. Unter Potenzierung ist die starke Verdünnung bei gleichzeitiger
Dynamisierung (Verschüttelung oder Verreibung siehe unten) zu verstehen. Die
Arzneimittel werden durch stufenweise durchgeführtes Potenzieren aus
Urtinkturen (pflanzlichen und tierischen Ursprungs: Symbol: Ø oder
mineralischen und chemischen Ursprungs: Symbol O) und aus indifferenten
Verdünnungsmitteln wie Alkohol, destilliertem Wasser, Glycerin und Milchzucker
hergestellt. Das Verfahren ist unter Potenzieren (Homöopathie) genauer
dargestellt. Homöopathische
Arzneimittel werden flüssig (Dilution) oder als Globuli, in tiefen Potenzen
auch in Form von Tabletten angewendet. Aus der
Sicht der Homöopathen ist die Wirkung einer bloßen Verdünnung nicht mit einem
potenzierten, also verschüttelten oder verriebenen Mittel vergleichbar. Im
Organon der Heilkunst (Anmerkung zu § 11) wird die Wirkung eines potenzierten
Mittels nicht der körperlichen Substanz oder physischen Wirkung eines
Arzneistoffes, sondern der immateriellen, daraus freigewordenen
"spezifischen Arzneikraft" zugeschrieben. Die
Verdünnung unter die chemische Auflösungsgrenze (siehe auch Avogadro-Konstante)
ist jedoch kein zwingendes Element der Homöopathie. Viele Heilpraktiker und
einige Ärzte arbeiten in Deutschland auch mit Niedrigpotenzen (D4, D6), in
denen die Stoffe noch in nennenswerter Konzentration vorliegen. Eine D6 enthält
den Ausgangsstoff in der Verdünnung von 1:1.000.000, also in µg/g. Bei diesen
nur schwach verdünnten Mitteln sind die regulären Dosis-Wirkungs-Beziehungen
des verwendeten Stoffes zu beachten und unerwünschte Wirkungen möglich. Potenzierung
als Verdünnung in Dezimalschritten Potenz Verdünnung Das entspricht einem
Tropfen auf einem Wassermolekül in D1 1 : 10
das Volumen einer Erbse D2 1 : 100
einen halben Esslöffel D3 1 :
1.000 zweieinhalb Schnapsgläser D6 1 : 1
Million den Inhalt einer kleinen Mülltonne
D9 1 : 1
Milliarde einen Öltanklaster samt Anhänger
D12 1 : 1
Billion 25 olympische Schwimmbecken D20 1 : 100
Trillionen den Michigansee in den USA D23 1 : 100
Trilliarden das Mittelmeer 3 g Wasser (Fingerhut) D30 1 : 1
Quintillion 50-mal das Volumen der Erde 30 t Wasser (Tanklastzug) D78 1 : 1
Tredezillion gesamten Universum (Das
Universum umfasst ca. 1078 Teilchen) Die Lehre
der chronischen Krankheiten Nach
jahrelangen praktischen Erfahrungen mit der Homöopathie stellte Hahnemann fest,
dass bestimmte Krankheitsverläufe homöopathisch nicht zu heilen waren. Ab 1816
entwickelt er deshalb eine Methode zur Behandlung chronischer Krankheiten. 1828
veröffentlichte er die Ergebnisse seiner Forschung in einem fünfbändigen Werk
mit dem Titel Die chronischen Krankheiten. Nach seiner Theorie liegt den
chronischen Krankheiten ein Miasma, eine Art tief liegendes „Ur-Übel“,
zugrunde. Hahnemann unterteilte die Miasmen in Psora (als Folge der
Krätzekrankheit), Sykosis (Feigwarzenkrankheit als Folge der Gonorrhoe) und
Syphilis. Hahnemanns Arbeit nach der Erkenntnis der Miasmen war der Versuch,
die Psora auszumerzen, wie er schrieb. Sein
Verständnis der chronischen Krankheiten bewegt sich im Rahmen der damaligen
medizinischen Erkenntnisse. Die praktischen Konsequenzen seiner Theorie werden
jedoch in der klassischen Homöopathie bis heute berücksichtigt. Entwicklung Geschichte Samuel
Hahnemann übersetzte eine englische Abhandlung über die Heilweise von
Chinarinde bei Malaria. Er empfand die in dem Artikel bemühten Erklärungen als
willkürlich und verfiel deshalb auf die Idee, als gesunder Mensch Chinarinde
einzunehmen. Daraufhin beobachtete er, dass er einige der bekannten
Malaria-Symptome bekommen hatte. Seine Beobachtungen stellten sich später als
Irrtum heraus: Die beobachteten Wirkungen von Chinarinde konnten in späteren
Versuchen nicht festgestellt werden. Hinzu kommt, dass das Fieberthermometer zu
Hahnemanns Zeiten noch nicht gebräuchlich war - es wurde von der gefühlten
Temperatur ausgegangen. Jedenfalls löste diese Zufallsentdeckung seinen
Forscherdrang aus, und er begann, weitere giftige Substanzen selbst
einzunehmen, wie zum Beispiel viele giftige Heilpflanzen. Die darauf
auftretenden Symptome notierte er. Später behandelte er Kranke mit ähnlichen
Symptombildern mit diesen Stoffen. Um sie ihrer Toxizität zu berauben,
verdünnte er die Stoffe. Zu seinem eigenen Erstaunen beobachtete er, dass die
Heilwirkung nicht verschwand, sondern sich zu verstärken schien. Als
historisches Verdienst der Lehre Hahnemanns gelten eine Reihe von Innovationen,
die eine sinnvolle Alternative zu den damaligen medizinischen Heilverfahren
(die von ihm „Allopathie“ genannt wurden) darstellten. Mikroorganismen waren
damals noch nicht als Krankheitserreger erkannt worden. Viele damals gängige
Mittel und Behandlungen, die oft keineswegs auf uralter Erfahrung beruhten,
sondern erst im 17. Jahrhundert nach der alchimistisch geprägten Lehre des
Paracelsus eingeführt worden waren, gefährdeten den Patienten mehr, als sie
halfen – nicht ganz umsonst nannte man diese Art der Medizin auch „heroische
Medizin“. Das heißt, so genannte Drastika mit Wirkstoffen, wie beispielsweise
Bleiacetat oder Quecksilberchlorid, wurden den Patienten verabreicht, was nicht
wenige Patienten tötete. Dies erklärt die Bestimmung Hahnemanns, nur jeweils
ein einziges Mittel geduldig anzuwenden, und die eingehende Beschäftigung mit
dem Patienten. Seine (aus chemischer Sicht) oftmals fast wirkstofflosen
„Mittel“ trugen ebenfalls zur Durchsetzung eines „sanfteren“ Weges der Medizin
generell bei. Status im
deutschsprachigen Raum Homöopathie
ist in Deutschland eine anerkannte Besondere Therapieform im Sinne des
Sozialgesetzbuches. Seit 1978 bekennt sich der deutsche Gesetzgeber im
Arzneimittelgesetz zum Wissenschaftspluralismus der Medizin. Darunter werden
derzeit die Schulmedizin einerseits und andererseits drei Besondere
Therapierichtungen verstanden: Anthroposophisch
erweiterte Medizin Homöopathie
Phytotherapie
Die
Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen können zugelassen und dürfen
verordnet werden, auch ohne dass für sie ein Wirksamkeitsnachweis erbracht
wurde. In
Österreich ist die Homöopathie seit dem Arzneimittelgesetz 1983 ein anerkannter
Teil der Medizin. In der
Schweiz wurden seit 1999 Arzneimittel der fünf Klassen der Komplementärmedizin,
darunter die der Homöopathie, von der Krankenkassen-Grundversicherung
übernommen, sofern sie von einem Arzt verschrieben wurden. Zum 30. Juni 2005
hat das Bundesamt für Gesundheit, Teil des EDI, diese Leistungspflicht nach den
Ergebnissen der von ihm in Auftrag gegebenen Studie „Programm Evaluation
Komplementärmedizin“ wieder gestrichen. Die
europäische Gesetzgebung sieht seit der Richtlinie 2001/83 ein eigenes
Zulassungsverfahren für homöopathische Arzneimittel vor. In der Novelle zu
dieser Richtlinie (2004/27) wird dieses vereinfachte Zulassungsverfahren
erstmals für alle Mitgliedsländer verpflichtend. Die Richtlinie verlangt den
Aufdruck (Zitat) „Homöopathisches Arzneimittel ohne genehmigte Heilanzeigen“. Homöopathie
in weiteren Ländern In Indien
ist die Homöopathie seit Mitte des 19. Jahrhunderts verbreitet. Behandlungen
erfolgten im Bereich der Bekämpfung von Seuchen, wie asiatische Cholera und
häufig wiederkehrenden Pestwellen. Konkrete Angaben über die Wirksamkeit dieser
Behandlungen sind nicht bekannt. Richtungen
in der Homöopathie Homöopathie
ist keine einheitliche Lehre. Es gibt verschiedene Richtungen, die sich
teilweise gegenseitig bekämpfen. Auch können Heilpraktiker oder Schulmediziner,
die Homöopathie anwenden, nicht generell einer Richtung zugeordnet werden. Die
folgende Aufzählung deutet nur das große Spektrum an: Klassische
Homöopathie Der Begriff
„Klassische Homöopathie“ entstand aus der Not, sich vom großen Spektrum der als
„homöopathisch“ bezeichneten Heilmethoden abzugrenzen. Grundlage der
Klassischen Homöopathie sind die Lehre Hahnemanns und die sich daran orientierenden
Weiterentwicklungen der Heilmethode (zum Beispiel durch Bönninghausen, Hering,
Kent u.a.). Im Gegensatz zu vielen anderen Richtungen der Homöopathie wird in
der Klassischen Homöopathie immer nur ein Mittel auf einmal verabreicht,
meistens in einer mittleren oder hohen Potenz. Arzneimittel werden nach
gründlicher Anamnese grundsätzlich nach dem individuellen Symptombild des
Kranken ausgewählt. Klassische
Homöopathen behandeln sowohl akute Krankheiten als auch chronische Leiden
(konstitutionelle Behandlung). „Wissenschaftlich-Kritische“
Homöopathie Die
sogenannte „wissenschaftlich-kritische“ Homöopathie ist eine Richtung der
Homöopathie, die auf der Grundlage der schulmedizinischen Lehre homöopathische
Arzneimittel als Ergänzung zu anderen Therapieformen einsetzt. Häufig werden
niedrige Potenzen bis D12 verwendet, in denen noch ein chemisch nachweisbarer
Rest der Arzneisubstanz vorhanden ist. Arzneimittel werden außerdem nicht nach
dem oft sehr komplexen gesamten Symptombild des Kranken, sondern nach
Pathologie (Krankheit) verordnet. Das erleichtert besonders die Findung des
passenden Arzneimittels, weil zum Beispiel für eine Erkältungskrankheit nur
noch aus einer Liste von wenigen Mittel ausgewählt werden muss. Beliebt ist
auch die Verwendung von „Komplexmitteln“, d. h. einer Vermengung von
verschiedenen Mitteln, die für eine bestimmte Krankheit zusammengestellt wird. Die
Therapie mit Komplexmitteln widerspricht jedoch grundlegend dem Wesen der
ursprünglichen Homöopathie; Hahnemann selbst schreibt in seinem Organon: „§ 273: In
keinem Fall von Heilung ist es nöthig und deßhalb allein schon unzulässig, mehr
als eine einzige, einfache Arzneisubstanz auf einmal beim Kranken anzuwenden.
Es ist nicht einzusehen, wie es nur dem mindesten Zweifel unterworfen sein
könne, ob es naturgemäßer und vernünftiger sey, nur einen einzelnen, einfachen,
wohl gekannten Arzneistoff auf einmal in einer Krankheit zu verordnen, oder ein
Gemisch von mehreren, verschiednen. In der einzig wahren und einfachen, der
einzig naturgemäßen Heilkunst, in der Homöopathie, ist es durchaus unerlaubt,
dem Kranken zwei verschiedne Arzneisubstanzen auf einmal einzugeben.“ Laienhomöopathie Mit der
Zunahme der Beliebtheit alternativer Heilmethoden wird die Homöopathie auch von
Laien praktiziert. Homöopathische Arzneimittel sind (bis auf Ausnahmen) nicht
rezeptpflichtig und können frei in der Apotheke bezogen werden. Der Vorteil der
Homöopathie wird besonders darin gesehen, dass geglaubt wird, homöopathische
Arzneimittel seien völlig ungefährlich, da sie chemisch gesehen nur minimale
Anteile der Arzneisubstanz enthalten. Vor allem Klassische Homöopathen warnen
aber vor der Behandlung von mehr als nur harmlosen Erkrankungen durch Laien.
Sie weisen darauf hin, dass ein Mittel nicht schon deshalb als „homöopathisch“
zu bezeichnen ist, weil es durch Potenzieren hergestellt wurde, sondern nur,
wenn es mit seinen typischen Symptomen zu den Symptomen des Patienten passt.
Sonst können auch Homöopathika eine allopathische Wirkung haben. Homöopathie
in der Veterinärmedizin Neben der
Homöopathie für Menschen wird die Homöopathie auch in der Veterinärmedizin
(Tiermedizin) praktiziert. Zum Beispiel wird an der Veterinärmedizinischen
Universität Wien eine Vorlesung zum Thema „Homöopathie für Nutztiere“ gehalten.
Darüber hinaus gibt es in Österreich seit einiger Zeit Fachtierärzte für
Homöopathie. Ein Vorteil
für die Landwirtschaft wäre, dass Nutztiere so behandelt werden könnten, ohne
dass sich Reste von Medikamenten etwa im Fleisch oder in der Milch finden. Dies
würde allerdings für milchgängige Schadstoffe, wie sie in manchen schwach
verdünnten Homöopathika – den schon erwähnten „Niedrigpotenzen“ – enthalten
sind, nicht gelten. Anwendung Wahl des
Mittels Grundlage
für die Wahl des Mittels ist einerseits die Kenntnis der Wirkungen und
Symptome, die eine Arznei bei einem gesunden Menschen auslösen kann. Um diese
Kenntnisse zu erlangen, werden Arzneimittelprüfungen durchgeführt. Andererseits
beruht die Mittelwahl auf einer homöopathischen Anamnese des Patienten, d.h.
einer Beobachtung und Befragung, in der das gesamte Symptombild und die Art der
„Verstimmung der Lebenskraft“ erfasst wird (Repetorisierung). Im Unterschied
zur Anamnese der naturwissenschaftlichen Medizin wird in der homöopathischen
Anamnese der Patient über eine Vielzahl von Sachverhalten befragt, die aus
naturwissenschaftlicher Sicht unerheblich sind. Ziel ist es, dasjenige Mittel
herauszufinden, bei welchem die beim gesunden Menschen beobachteten Symptome
möglichst mit denen übereinstimmen, die bei der Anamnese des Kranken erfasst
wurden. Als
Hilfsmittel zur Wahl des Mittels dienen Arzneimittellehren und Repertorien. In
Arzneimittellehren werden die Mittel mit allen bei der Arzneimittelprüfung
beobachteten Symptomen beschrieben. Repertorien sind nach Symptomen
hierarchisch gegliedert. Hier werden zu jedem Symptom alle Mittel genannt, bei
denen das Symptom beobachtet wurde. Die sogenannte Wertigkeit eines Mittels
(1-wertig bis 4-wertig) gibt einen Hinweis darauf, wie bewährt das Mittel bei
der Heilung dieses Symptoms ist. Eine hohe Wertigkeit im Repertorium erhält ein
Mittel nur, wenn es einerseits bei der Arzneimittelprüfung bei einer hohen Zahl
von gesunden Probanden dieses Symptom hervorrief und wenn es andererseits auch
viele Berichte erfolgreicher Heilung von Fällen mit diesem Symptom gibt. Eine klare
statistische Definition für die „hohe Anzahl“ gibt es nicht. Deshalb werden in
modernen Repertorien auch Kennzeichnungen für bewährte Mittel geführt, die auf
die Erfahrung einzelner Homöopathen mit hohem Ansehen zurückgehen. Die so
genannten Künzli-Punkte werden zum Beispiel von vielen Autoren zitiert. Dadurch
wird die empirische Belastbarkeit verwässert. Statt eine Wertigkeit zu
erhalten, die auf einer Kombination von vielen Arzneimittelprüfungen und vielen
Behandlungsverläufen beruht, wird die Aussage in die Nähe von
Einzelfallkenntnissen gerückt (en:anecdotal evidence). Dosierung Potenzierte
Mittel gibt es in Form von alkoholischen Lösungen, Tabletten und Globuli (mit
homöopathischer Lösung imprägnierte Kügelchen aus Zucker). Bei der Einnahme von
Lösungen sollte nach Empfehlung von manchen Homöopathen auf die Verwendung
eines metallenen Löffels verzichtet werden, da dieser die vermeintlichen
„Erinnerungseigenschaften“ der Flüssigkeit beeinflussen könne. Statt dessen
kann ein Löffel aus Holz oder Plastik verwendet werden. Auch nahm Hahnemann an,
dass der Genuss oder Geruch verschiedener Substanzen die Wirkung einiger
homöopathischer Mittel beinträchtigen könne (Hahnemann: Organon §§ 259 ff.) Homöopathische
Mittel sind unter die Zunge zu träufeln bzw. unter der Zunge aufzulösen und ca.
eine Minute im Mund zu belassen, um die Resorption über die Mundschleimhaut zu
verbessern. Das beste Ergebnis soll erreicht werden können, wenn die
homöopathischen Arzneimittel sofort nach Auftreten der ersten Symptome
eingenommen werden. Homöopathische
Hochpotenzen sollen besonders wirksam sein, weshalb von Seiten der Homöopathen
gefordert wird, dass diese immer durch einen versierten Homöopathen verordnet
werden und der Verlauf beobachtet wird. Gegenanzeigen Alkoholismus
(bei Einnahme der alkoholischen Lösung) Allergien
gegen einen der Inhaltsstoffe (bei niedriger Potenzierung) bzw. den Trägerstoff
(zum Beispiel Lactose) in
Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern nur in Absprache mit dem Arzt
einnehmen „Homöopathische
Verschlimmerung“ / Nebenwirkungen Als
Nebenwirkung wird von Homöopathen die so genannte homöopathische
Verschlimmerung (auch Erstverschlimmerung) erwähnt: eine vorübergehende
Verstärkung der Symptome. Ob diese tatsächlich existieren, ist nicht
dokumentiert. Bei
niedrigen Potenzstufen (bis etwa D6) kann eine reguläre unerwünschte
Arzneimittelwirkung auftreten, weil im Arzneimittel noch nennenswerte
Stoffmengen enthalten sind. So können z. B. durch die Anwendung von Mercurius
(Quecksilber), Arsenicum (Arsen) oder Nux vomica (Brechnuss), einer Pflanze,
die Strychnin-Alkaloide enthält, Vergiftungen hervorgerufen werden. Kritik an
der Homöopathie Bis heute
existiert weder ein formaler, reproduzierbarer Nachweis noch eine akzeptable
naturwissenschaftliche Begründung für eine Wirksamkeit der Homöopathie, die
über den Placeboeffekt hinaus geht. Sie wird deshalb von dem Großteil der
wissenschaftlichen Medizin als wirkungslose, in einigen Fällen sogar
gefährliche Behandlung abgelehnt. Siehe dazu den Abschnitt Gefahren der
Homöopathie. Hahnemann
gründete vor 200 Jahren seine Homöopathie auf zwei Grundsätze. Zum einen sollen
Krankheiten durch Medikamente behandelt werden, welche ähnliche Symptome
hervorrufen wie die Krankheit selbst. Sein Selbstversuch mit Chinarinde gilt
als nutzlos, da er nicht reproduzierbar ist. Hahnemann zeigte möglicherweise
eine allergische Reaktion auf die Chinarinde. Der Ansatz der Homöopathie beruht
somit auf einem Irrtum und dessen dogmatisch-naiver Generalisierung. Zum
anderen werden homöopathische Medikamente in verdünnter („potenzierter“) Form
verwendet. Dieser Ansatz ist nach heutigen medizinischen und physikalischen
Erkenntnissen unbrauchbar bzw. stützt sich auf den Glauben, dass unbekannte
Vorgänge den jeweiligen Stoff beim Potenzieren zum Medikament machen. Für die
Existenz dieser Vorgänge gibt es keine Hinweise. Kein
belastbarer Nachweis der Wirksamkeit In etwa 100
unabhängigen Studien konnten keine Nachweise für eine Wirksamkeit erbracht
werden. Die
Heilerfolge der Homöopathie sind vergleichbar mit denen anderer „alternativer“
Therapien (zum Beispiel „Traditionelle Chinesische Medizin“) und bewegen sich
im Rahmen der Gesundungsraten einer Placebo-Behandlung. Dieser seitens der
Homöopathie oftmals unbewusst angewandte Placebo-Effekt ist eine in der Medizin
gut dokumentierte und nachgewiesene psychische Komponente, die bei fast allen
medizinischen Behandlungen eine Rolle spielt. Deshalb wird das Augenmerk der
Medizin auch zunehmend auf diese Effekte gelenkt, etwa auf eine
partnerschaftlichere Arzt-Patienten-Beziehung („Compliance“). Trotz der
deutlichen Beweise bestehen viele Befürworter der Homöopathie darauf, dass eine
homöopathische Behandlung über den Placebo-Effekt hinaus wirkt. Oftmals werden
dabei jedoch Einzelfälle oder Selbsttests angegeben, die wissenschaftlich keine
Relevanz besitzen, da eine Doppelblindstudie mit einer Kontrollgruppe, die
Placebos erhält, notwendig wäre. Auch können
respektable Erfolge, die der Homöopathie auch von unabhängigen Studien
nachgesagt wurden, nach strengen wissenschaftlichen Anforderungen mit
methodischen Schwächen und anderen verzerrenden Einflüssen erklärt werden, wie
eine aktuelle Metaanalyse zur Wirksamkeit homöopathischer Behandlungen betont,
die im August-Heft der renommierten Medizinzeitschrift The Lancet (2005)
dokumentiert ist. Eine schweizerisch-britische Forschergruppe hatte insgesamt
220 Studien in Bezug auf den Behandlungserfolg verschiedenster Erkrankungen mit
homöopathischen oder schulmedizinischen Methoden ausgewertet. Hier ergab sich
ein vergleichsweise schlechteres Abschneiden der Homöopathie, deren vereinzelte
Erfolge mit dem Placebo-Effekt erklärt werden. Auch bestätigte die
breitangelegte Metauntersuchung die Vermutung, dass Studien mit wenigen
Teilnehmern eher nichtvorhandene Wirkungen vorspiegeln als umfangreiche
Untersuchungen. Diese Bestätigung der Wirkung von Placebo-Effekten lenkt jedoch
das wissenschaftliche Interesse auf die Wirksamkeit „subjektiver“ Heilung.
Neuere Untersuchungen scheinen zu belegen, dass die Placebo-Heilung nicht mit
bloßer Einbildung zu erklären ist, sondern substantielle, biochemisch fassbare
Wirkungen auf das Zentralnervensystem nachzuweisen sind. Diese Effekte gezielt
zur Behandlung zu nutzen, erscheint als lohnende Strategie. Auch gilt als
Vorteil der alternativen Heilmethoden, dass ein spezielles Vertrauensklima
zwischen Therapeut und Patient aufgebaut würde, der Heilerfolge begünstigen
kann. Die Zeitschrift Lancet beurteilt die Ergebnisse zusammenfassend: „Ärzte
müssen jetzt mutig und ehrlich sein – mit ihren Patienten in Bezug auf die
fehlende Wirkung von Homöopathie als auch mit sich selbst bezüglich des
Versagens der modernen Medizin, die Bedürfnisse der Patienten nach eine
persönlich ausgerichteten Versorgung zu erfüllen.“ Aufgrund
des fehlenden Nachweises der medizinischen Wirksamkeit halten viele Anhänger
der Homöopathie die wissenschaftlichen Methoden für nicht ausreichend um die
Wirksamkeit nachzuweisen. Da es aber keine andere wissenschaftliche Methode gibt,
werden Methoden der Pseudo- oder Parawissenschaft oder der Esoterik
herangezogen. Damit wird jedoch das Argument, dass Homöopathie wissenschaftlich
sei, aufgegeben. Ein in diesem Zusammenhang oft verwendeter Satz lautet: „Wer
heilt, hat Recht“. Diese Betrachtungsweise gibt aber eben keinen Aufschluss
darüber, inwieweit Placebo-Effekte oder etwa auch Spontanheilungs-Effekte
wirken, die bei allen Behandlungsformen vorkommen. Auch kann der
Rechtfertigungsdruck, der auf alternativen Methoden seitens der Wissenschaft
lastet, dazu verführen, hauptsächlich Erfolgsgeschichten zirkulieren zu lassen. Aus Sicht
der heutigen naturwissenschaftlichen Medizin ist die Bewertung der Ergebnisse
von Arzneimittelprüfungen problematisch, unter anderem, weil die angewendete
Dosis bzw. Potenz oft nicht dokumentiert ist und die meisten Prüfungsberichte
aus dem 19. Jahrhundert stammen und nicht blind durchgeführt worden sind. Die
Arzneimittelprüfungen in der Homöopathie sind also nicht mit den modernen
Wirksamkeitsprüfungen in der naturwissenschaftlichen Medizin vergleichbar. Eine
wissenschaftlich saubere Prüfung von Pulsatilla 3X ist 1978 von Anne Clover
durchgeführt worden, mit dem Ergebnis, dass die beobachteten Placebo-Symptome
so stark waren, dass echte Symptome nicht festgestellt werden konnten (siehe
Provings in [1]). Kein
plausibler Ansatz eines Mechanismus Obwohl
Hahnemann es hätte wissen können – da zu seiner Zeit schon das Dalton’sche
Atommodell als gängige Lehrmeinung eine unendliche Teilbarkeit einer Stoffmenge
verbot – ist es heute unbestritten, dass größere Verdünnungen als etwa 1:1024 –
was einer Potenzierung von D24 oder C12 entspricht – statistisch gesehen kaum
ein einziges Molekül der Ausgangssubstanz enthalten; siehe Potenzieren. Das
entspricht ungefähr der Auflösung einer Aspirin im Atlantik. Da die Herstellung
der homöopathischen Arzneien üblicherweise nicht in einem Reinraum (keim- und
staubgefilterter Arbeitsplatz) durchgeführt wird, muss angenommen werden, dass
im Verdünnungsprozess (Öffnen des Mischgefäßes und Zugabe von
Verdünnungslösung) die Konzentration der Wirksubstanz zwar abnimmt, aus der
Luft aber Verunreinigungen hinzukommen. Dies bewirkt, dass schließlich in den
hochpotenzierten Präparaten außer der Trägersubstanz (Wasser, Ethanol oder
Milchzucker) nur die Verunreinigung der Trägersubstanzen (alle drei enthalten
metallische Verunreinigungen) und die Verunreinigungen aus der Umgebung
enthalten sind. Auch die besten Filtrierverfahren lassen manchmal mehr
Reststoffe im Wasser zurück, als sich homöopathische Wirkstoffe darin befinden.
Somit kann eine Stoff-Wirkungsrelation nicht vernünftig untersucht werden. Seitens der
Homöopathen gibt es Spekulationen, dass eine Wirkung durch Information
ermöglicht wird, die nicht molekular gespeichert und übertragen wird (der
Franzose Jacques Benveniste hat auf diesem Gebiet geforscht). Wirkstoffe sollen
beispielsweise „Abdrücke“ in Wasserclustern hinterlassen, die dann an andere
Wassercluster weitergegeben werden. Für diese Theorien gibt es jedoch keine
Grundlage. Angenommen, diese Informationsspeicherung würde funktionieren, dann
stellt sich sofort die Frage, wie lange eine solche Speicherung erhalten
bleibt. Sind diese Cluster stabil, dann muss das Wasser vor der Verwendung
gereinigt werden, denn sonst enthält es noch alte Information. Falls sie nicht
stabil sind, würde eine homöopathische Arznei schnell unwirksam. Was mit diesen
spekulativen Speicherclustern nach der Einnahme durch den Patienten geschieht,
bleibt dann aber der reinen Phantasie überlassen. Der Clusteransatz kann
jedenfalls die Wirkung homöopathischer Mittel in ungelöster Form (Globuli)
nicht erklären und bleibt als generelle Erklärung unzureichend. Wer eine
Wirksamkeit homöopathischer Präparate annimmt, akzeptiert damit implizit, dass
das naturwissenschaftliche Weltbild, wie es in den Schulen vermittelt wird,
falsch oder grob unvollständig ist. Die
homöopathische Medikation nach dem „Ähnlichkeitsprinzip“ ist zudem nicht
nachvollziehbar, da sie ausschließlich auf den äußerlich sichtbaren Symptomen des
Patienten beruht und keine wissenschaftlichen Untersuchungen wie etwa
Röntgenbilder, Ultraschall und Gewebeproben herangezogen werden. So müssen bei
konsequenter Durchführung beispielsweise allergisch, bakteriell oder viral
hervorgerufene Erkrankungen gleich behandelt werden, wenn sie dieselben
Symptome zeigen. Des
weiteren beruht die Medikamentenwahl ausschließlich auf der subjektiven
Einschätzung des Homöopathen, ob Dinge äußerlich ähnlich sind oder nicht. Der
Rorschachtest beispielsweise zeigt aber, wie unterschiedlich Wahrnehmungen
interpretiert werden können und wie diese Interpretationen von Erfahrung und
Fantasie abhängig sind. Es muss somit erwartet werden, dass die Behandlung
einer Krankheit je nach Biographie des Homöopathen unterschiedlich ausfällt.
Eine richtige homöopathische Behandlung gibt es nicht, da es keine einheitliche
Vorstellung von Ähnlichkeit gibt. Interne
Widersprüche An einigen
Stellen sehen Kritiker auch Widersprüche in der homöopathischen Theorie und
Praxis. So ist fraglich, warum nur die gewünschten Eigenschaften eines
jeweiligen Stoffes durch eine „Potenzierung“ ihre Wirkung verstärken und nicht
auch die unerwünschten Nebenwirkungen bzw. die Wirkungen und Nebenwirkungen all
der anderen Spurenelemente, Reststoffe etc., die sich außerdem noch im
Alkohol/Wasser oder im Gefäß befunden haben. Viele
Homöopathen führen an, die Schulmedizin heile keine Krankheiten, sondern
unterdrücke nur Symptome, während die Homöopathie die Ursache des Leidens
bekämpfe. Nach Hahnemann kann man eine Krankheit aber nur durch ihre Symptome
kennen, was sich in der Praxis der homöopathischen Anamnese und Verschreibung
nach Symptombild widerspiegelt. Kritiker sehen in der Argumentation, dass das
Verschwinden von Symptomen bei schulmedizinischer Behandlung als Unterdrückung,
bei homöopathischer als Heilung gewertet wird, ein Messen mit zweierlei Maß. An der
Tierhomöopathie wird kritisiert, dass Arzneimittelprüfungen immer an Menschen
ausgeführt werden. Es werde einfach angenommen, dass sie auf Tiere übertragbar
sind. Klassische Homöopathen legen Wert darauf, dass die Symptome in der
Sprache des Patienten beschrieben werden, und messen mentalen Symptomen ein
besonderes Gewicht bei. Beides ist bei Tieren nicht möglich. Außerdem empfehlen
viele Homöopathen ihren menschlichen Patienten, nicht zu essen oder trinken,
wenn sie homöopathische Mittel einnehmen. Bei Tieren hingegen werden die Mittel
üblicherweise dem Futter oder Trinkwasser beigemischt. Gefahren
der Homöopathie Der
Verzicht auf eine normale medizinische Versorgung, der im Regelfall im
Zusammenhang einer Behandlung mit Scheinmedikamenten wie Homöopathika geübt
wird, kann bei akuten Beschwerden lebensgefährlich sein, da der Einsatz einer
wirksamen Therapie verzögert werden kann. Da das
verstärkte Auftreten der Symptome unter dem Begriff Erstverschlimmerung als
Teil des Heilungsprozesses verstanden wird, können wichtige Behandlungen
versäumt oder erst verspätet vorgenommen werden. Die
ablehnende Haltung der Homöopathen gegenüber Schutzimpfungen bewirkt, dass
Betroffene, die nicht geimpft werden, keine Immmunität gegenüber gefährlichen
Infektionskrankheiten entwickeln. In den 80er Jahren starben mehrere Reisende,
nachdem sie statt der üblichen Malariaprophylaxe das Homöopathikum
"Malaria 2000" eingenommen haben. Da auch
Gifte in hochverdünnter Form verabreicht werden, können nach längerer Einnahme
von Potenzen bis D12 Vergiftungserscheinungen auftreten. Andere
Kritikpunkte Ein
weiterer Kritikpunkt ist die Therapiedauer, die von den Therapeuten meist bei
der Gabe der Mittel nicht genannt wird und die in manchen Fällen den Verdacht
aufkommen lässt, dass die Therapie bei „Heilung“ einfach beendet wird, egal, ob
die Besserung vorübergehend oder dauerhaft ist. Die so
genannte „Erstverschlimmerung“ ist für Homöopathen der Beweis, dass der Körper
auf das Heilmittel anspricht. Der Schulmediziner hält diese „Verschlimmerung“
für einen Hinweis darauf, dass das Heilmittel eben nicht wirkt. Dem Homöopathen
wird also vorgeworfen, dass er die Unwirksamkeit mit einem „schönen“ Wort
wegdefiniert. Homöopathen
behaupten, die Wirkung eines potenzierten Arzneimittels könne durch allgemein
schädigende Faktoren in der Lebensweise und durch Reiz- und Genussmittel
ungünstig beeinflusst werden. Kritiker sehen darin eine Schutzbehauptung der
Anwender für den Fall, dass sich die Beschwerden nicht bessern. Zitate Hahnemann, Originalbeschreibung:
„Schon im
Jahre 1790 [...] machte ich mit der Chinarinde den ersten reinen Versuch an mir
selbst [...], und mit diesem ersten Versuch ging mir zuerst die Morgenröthe zu
der bis zum hellsten Tag sich aufklärenden Heillehre auf. Ich nahm des
Versuches halber etliche Tage zweimahl täglich jedesmal vier Quentchen gute
China ein; die Füse, die Fingerspitzen usw. wurden mir erst kalt, ich ward matt
und schläfrig, mein Puls ward hart und geschwind; eine unleidliche
Ängstlichkeit, ein Zittern (aber ohne Schaudern), eine Abgeschlagenheit durch
alle Glieder; dann Klopfen im Kopfe, Röthe in Wangen, Durst, kurz alle mir
sonst beim Wechselfieber gewöhnlichen Symptome erschienen nacheinander, doch
ohne eigentlichen Fieberschauder. Mit kurzem: auch die mir bei Wechselfieber
gewöhnlich besonders charakteristischen Symptomen, die Stumpfheit der Sinne,
die Art von Steifigkeit in allen Gelenken, besonders aber die taube widrige
Empfindung, welche in dem Periostium über allen Knochen des ganzen Körpers ihren
Sitz zu haben scheint – alle erschienen. Dieser Paroxysm dauerte zwei bis drei
Stunden jedesmahl, und erneuerte sich, wenn ich diese Gabe wiederholte, sonst
nicht. Ich hörte auf und war gesund.“ Johannes
Köberling von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (1997) „Noch
eindeutiger ist die Situation bei der Homöopathie. Für die gläubigen Anhänger
dieser Therapieform existiert eine Art Bibel der reinen Lehre, nämlich
Hahnemanns Organon. Hahnemann hat vor 200 Jahren ein in sich geschlossenes und
von ihm selbst als definitiv erachtetes Lehrgebäude errichtet. Solche
geschlossenen Systeme, so unsinnig sie auch sind, üben eine gewisse Faszination
auf manche Menschen aus. So haben es die Vertreter dieser Lehre geschafft, dass
in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden ist, hier sei eine ernsthafte
Alternative zur Medizin zu finden, eine Auffassung die nicht selten auch von
sonst kritischen und in anderen Bereichen vernünftigen Menschen geteilt wird.
Weder der bekannte Ähnlichkeitssatz noch die Potenzierung durch extremes
Verdünnen sind in irgendeiner Weise wissenschaftlich belegt. Erfolgsberichte
über homöopathische Heilungen betreffen nie größere Patientengruppen mit
bestimmten Krankheiten, sondern bestehen aus einzelnen Fallbeschreibungen.
Fallbeschreibungen entziehen sich aber der Falsifikationsmöglichkeit, sie sind
prinzipiell wahr.“ [2] Verwandte
Therapieformen Anthroposophisch
erweiterte Medizin Bach-Blütentherapie
Isopathie Phytotherapie
Schüßler-Salze
Literatur Quellen Samuel
Hahnemann: Organon der Heilkunst. Narayana Verlag, Kandern 2004, ISBN
3-92-138380-3 Samuel
Hahnemann: Reine Arzneimittellehre. 6 Bände. Karl F. Haug Fachbuchverlag,
Stuttgart 1995, ISBN 3-83-040263-5 Samuel
Hahnemann: Die chronischen Krankheiten. Ihre eigentümliche Natur und
homöopathische Heilung. 5 Bände. Karl F. Haug Fachbuchverlag, Stuttgart 1995,
ISBN 3-83-040264-3 Klaus-Henning
Gypser, Rainer Wilbrand: Gesammelte Arzneimittelprüfungen aus Stapfs „Archiv
für die homöopathische Heilkunst“ (1822-1848). 4 Bände. Karl F. Haug
Fachbuchverlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-83-040259-7 Sekundärliteratur neutral Robert
Jütte: Samuel Hahnemann. Begründer der Homöopathie. dtv – Deutscher Taschenbuch
Verlag, München 2005, ISBN 3-42-324447-X unterstützend Peter
Christian Endler: Expedition Homöopathieforschung. Ein altes Heilsystem wird
plausibel. Verlag Wilhelm Maudrich, Wien – München – Berlin 1998, ISBN
3-85-175695-9 Walter
Köster: Kranke Kinder homöopathisch heilen. rororo Verlag, ISBN 3-499-60151-6 kritisch Wolfgang H.
Hopff: Homöopathie kritisch betrachtet. Thieme, Stuttgart 1991, ISBN
3-13-765401-7 Otto
Prokop: Homöopathie. Was leistet sie wirklich?. Ullstein Taschenbuch, Berlin
1995, ISBN 3-54-835521-8 Martin
Lambeck: Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik. Verlag CHBeck,
München 2003, ISBN 3-40-649469-2 Michael
Shermer, Lee Traynor: Heilungsversprechen. Alternativmedizin zwischen Versuch
und Irrtum. Alibri Verlag Gunnar Schedel, Aschaffenburg 2004, ISBN
3-93-271086-X Hans-Werner
Lüdke: Homöopathie: Ein fruchtbarer, kein furchtbarer Irrtum. In: Deutsches
Ärzteblatt. 100(3)/2003. Bundesärztekammer und Kassenärztliche
Bundesvereinigung, S. A107–A109, ISSN 0012-1207 Wissenschaftliche
Metastudien zur Wirksamkeit A. Shang u. A.: Are the Clinical Effects of Homoeopathy Placebo Effects? Comparative Study of Placebo-Controlled Trials of Homoeopathy and Allopathy. Lancet 366:9487 (2005), S. 726–732, ISSN 0023-7507.
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