Chinesische Medizin
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Traditionelle
Chinesische Medizin (TCM) ist ein irreführender Begriff, der sich unter Mao
Zedong etablierte. Es handelt sich dabei um eine Art Zusammenfassung der
vielschichtigen Methodik der Diagnostik und Therapie, die dominant im
chinesischen und auch allgemein orientalischen Kulturkreis bis dahin betrieben
wurden. Mit der TCM wurde so ein in sich schlüssiges, „schnell“ zu erlernendes
System geschaffen - zwar bei weitem nicht die gesamte chinesische Medizin (CM)
umfassend, jedoch Maoismus konform. Seit den
50er Jahren des 20. Jahrhunderts findet die TCM reges Interesse im westlichen
Kulturkreis. Vor allem wurde die Akupunktur als Therapieverfahren übernommen.
Ärztliche Fachgesellschaften für Akupunktur in Deutschland und Österreich haben
Ausbildungsstandards gesetzt und seit 50 Jahren die Ausbildung durchgeführt. In
Deutschland sind schätzungsweise 40.000 Ärzte und zahlreiche Heilpraktiker in
Akupunktur ausgebildet. Die chinesische Pharmakotherapie und die chinesische
Ernährungslehre gewinnen zunehmend mehr Anhänger. Tuina, eine besondere
Kombination aus manueller Medizin und Massage, ist in Deutschland noch wenig
verbreitet. Qi Gong und Taijiquan, was mit Meditation in Bewegung bezeichnet
werden kann, ist mittlerweile weit verbreitet. Grundlagen Die CM
basiert auf der Annahme, dass der menschliche Körper Krankheiten bekämpft und
sich wieder erholt, wenn er im Gleichgewicht von beiden Polaritäten (Yin und
Yang) und wenn genügend Abwehr-Qi (wei qi) vorhanden ist. Ausgehend davon
entstanden zwei Hauptzweige der CM: Akupunktur bzw. Akupressur und
Phytotherapie, daneben spielen Qi Gong, Tuina und Gua sha, eine Schabetechnik,
sowie Schröpfen eine wesentliche Rolle. Hervorzuheben sind auch die die Puls-
und die Zungendiagnostik. Die CM
kennt fünf Säulen, vier Behandlungen finden von außen statt. Dabei wird
entweder durch Akupunktur, Massage (z.B.Tuina, Gua Sha), Duftbehandlung durch
Moxa (Phytotherapie) und Ernährung versucht ein Gleichgewicht der fünf Elemente
(Wasser, Erde, Holz, Feuer und Metall) herbeizuführen. Die fünfte Säule steht
für die aktive Bewegungslehre wie z.B. Taijiquan, Yoga und Qigong. Durch langsame
kontrollierte Bewegungen wird eine Steigerung der Achtsamkeit auf den eigenen
Körper erlangt, bei längerer und regelmäßiger Anwendung steigern sich
Koordination und Flexibilität. Die
chinesische Medizin basiert auf empirischen Erkenntnissen, die in ein Ordnungssystem
eingegliedert wurden. Dies Ordnungssystem ist nicht deckungsgleich dem der
westlichen Medizin. Damit sind die chinesischen Diagnosen nicht direkt
übertragbar auf westliche Diagnosen. Zusätzlich zur westlichen Diagnostik ist
eine chinesische Differentialdiagnostik erfordlich, damit die Chinesische
Medizin lege artis eingesetzt werden kann. Gerade wegen ihres ganzheitlichen
Ansatzes ist die Chinesische Medizin eine sinnvolle Ergänzung zur
konventionellen westlichen Medizin. Geschichte Die TCM
entstand unter den kulturellen Vorzeichen des Daoismus und des Buddhismus
hauptsächlich in China, Indien und der Mongolei, vor ca. 2500 Jahren. Die
Wurzeln reichen wohl zurück bis zu den ersten chinesischen Dynastien. In den
gebirgigen nördlichen und westlichen Gebieten Chinas entwickelte sich
hauptsächlich die Akupunktur als Behandlungsmethode, während sich im
fruchtbaren Süden wesentlich stärker die Phytotherapie entwickelte. Die
chinesische Medizin beinhaltet damit ein stark entwickeltes empirisches Wissen,
das über viele Generationen hinweg als Familiengeheimnis weitergegeben wurde.
In der Zeit der Kolonialisierung und der Kriege mit dem Westen wurde die TCM im
öffentlichen Leben zurückgedrängt. Nachdem
unter Mao Zedong während der Kulturrevolution viele Intellektuelle und damit
auch Ärzte ermordet oder verhaftet worden waren, bestand ein großer Mangel an
medizinischer Versorgung. Um diesen zu beheben, wurde die von religiösen
Elementen befreite TCM geformt. So genannte Barfußärzte wurden zur
medizinischen Versorgung der Bevölkerung über das Land geschickt. Kritiker sind
der Meinung, damit habe Mao, da eine schulmedizinische Versorgung nun nicht
mehr möglich war, wenigstens Plazeboeffekte nutzen wollen. Heute wird
die TCM in der Volksrepublik China aber vor allem in Taiwan ergänzend zur
modernen westlichen Medizin praktiziert. Taiwan hat seine eigene TCM-Tradition,
die stärker durch alte Ärztefamilien geprägt ist, traditioneller und somit
weniger standardisiert ist, mehr spirituelle Elemente beibehielt, und manchmal
etwas sektiererisch erscheint. Das Ansehen der TCM ist (bis auf Akupunktur) in
Taiwan und Hongkong allgemein etwas geringer als in der Volksrepublik, und
Taiwan bildet auch kaum Ausländer in der TCM aus. Nicht unerwähnt sollte jedoch
bleiben, dass auch der Durchschnittschinese im Zweifelsfall eher auf
Behandlungsmethoden der modernen Medizin vertraut. TCM findet vor allem bei
chronischen Erkrankungen, als Zusatzbehandlung, oder bei austherapierten
Patienten Anwendung. Großer Beliebtheit erfreuen sich in Taiwan auch
Restaurants, die medizinale Gerichte entsprechend der Ernährungslehre der CM
anbieten. Bekanntheit
erreichte die TCM in den USA 1971 durch einen Artikel in der New York Times, in
dem der amerikanischer Journalist James Reston berichtet, wie seine Schmerzen
nach einer Blinddarmoperation mit Hilfe von Akupunktur behandelt wurden. Heute ist
Akupunktur eine weltweit verbreite Behandlungsmethode, die in nahezu allen
Ländern eine zunehmende Akzeptanz erfährt. Situation
im deutschsprachigen Raum Die
Traditionelle Chinesische Medizin erfreut sich in letzter Zeit zunehmender
Anerkennung durch die westliche Medizin - der Oberste Sanitätsrat Österreichs
hat schon vor Jahren z.B. die Akupunktur anerkannt, die WHO hat darüber hinaus
auch der Arzneitherapie ihren Sanktus gegeben. In Österreich wird die
Akupunktur also anerkannt. Die Krankenkasser bezahlt die Behandlungskosten aber
nur dann, wenn der TCM-praktizierende Arzt auch ein in Österreich anerkanntes
Diplom für TCM hat. Und selbst dann übernimmt die Kasse nicht die gesamten
Kosten. In
Deutschland ist ärztliche Akupunktur seit 2003 eine durch die Bundesärztekammer
offiziell anerkannte Therapiemethode und durch die Integration in die Weiterbildungsordnung
der Ärztekammern qualifiziert. Die Übernahme der Kosten durch die gesetzlichen
Krankenkassen ist derzeit ausschließlich über Modellprojekte mit
wissenschaftlicher Begleitung und nur für wenige Indikationen wie
Rückenschmerzen, Kopf- und Gelenkschmerzen gegeben. Das Indikationsgebiet der
Akupunktur und insgesamt der Chinesischen Medizin bezieht sich auf eine
Vielzahl von Krankheitsbildern, sowohl funktionellen und psychosomatischen
Krankheiten als auch organische Erkrankungen. Kritik Obwohl z.B.
die Akupunktur inzwischen auch in westlichen Länder weit verbreitet ist, werden
wissenschaftliche Studien, die eine Wirksamkeit über den Placebo-Effekt hinaus
eindeutig nachweisen, wenig beachtet. Zur Zeit beteiligen sich mehrere große
Krankenkassen Deutschlands an einem Pilotprojekt, das die Wirksamkeit u.a. bei
chronischen Schmerzen, bei Migräne und einigen anderen Krankheitsbildern be-
oder widerlegen soll. Mit Hilfe von Laser-Nadelakupunktur sind neueren
Forschungen zufolge objektivierbare Forschungen möglich. Probleme
ergeben sich vor allem im Bereich der Medikation mittels traditioneller
Heilmittel. Verwendung finden pflanzliche, tierische und mineralische Rohstoffe
bzw. Mischungen davon, meist in getrockneter Form. Manches ist schlicht
ungewöhnlich, einiges abzulehnen bzw. illegal, wie etwa Produkte aus dem
Gallensaft von Bären oder von geschützen Arten. Auch schwere Vergiftungsfälle
(u.a. Leberschäden) durch Pflanzenpräparate sind bereits vorgekommen, entweder
aufgrund von Verunreinigung mit Schwermetallen, Schimmeltoxine, oder durch
falsche Dosierung. Erwähnenswert ist auch, dass es noch keine ausreichende
Qualitätskontrolle dieser Medikamente bezüglich ihres Wirkstoffgehaltes gibt -
was generell bei nichtstandardisierten Präparaten ein Problem darstellt.
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